Projekte - Studio Schweinesound, Sedel Luzern

Kurzer Bericht und erste Expertise zur Übergabe Bestand Bänder Kulturzentrum Sedel, Luzern - 

Vorgeschichte:

Im September 2025 bekam ich von "Reverend Beat-Man", von dem wir schon einige Tapes in unserem Archiv haben und der auch in unserem Vorstand ist folgendes Mail:
hey Davix, hey Steff ich verbinde euch schnell mal zusammen .. der davix hatt einen stapel schweinesound studio tapes wo er die absender sucht etc.. jetzt dachte ich bevor die in die mülltonne landen währ doch das was für den verein- sind noch alboth sachen dabei etc
p.s. hab schon mit davix telefoniert und er weiss bescheid von dir.. kabelt doch mal zusammen :)
beat-man

Der Kontakt mit Davix war schnell hergestellt. Davix ist Künstler, Musiker, ist im Sedel engagiert und hat dort seinen Proberaum. Als er hörte, dass der Vorstand des Kulturzentrums Sedel aus Platzmangel die Bänder des ehemaligen Schweinesound Studios weghaben wollte, nahm er mit den Musiker*innen und Bands, von welchen die Bänder stammten, Kontakt auf und überzeugte den Vorstand, die Bänder nicht zu entsorgen.
Ich erarbeitete in der Zwischenzeit mit Sam Mumenthaler, Pop-Journalist und Jurist einen Vorschlag für einen Schenkungsvertrag. Der Vorstand des Sedel war sehr kooperativ, ebenfalls die meisten der kontaktierten Musiker*innen und der Schenkungsvertrag konnte Ende Oktober unterschrieben werden.
Damit wir den Bestand übernehmen konnten, mussten wir unsere Versicherung aufstocken und einen neuen Lagerraum bereit machen. Wie beim ersten Lagerraum konnten wir eine Kooperation mit der Kinemathek Lichtspiel machen und dort einen Lagerraum einrichten.

Abholung:

Am Dienstag, 6. Januar 2026 habe ich den Bestand an Bändern im Kulturzentrum Sedel abgeholt und gleich in unseren neuen Lagerraum gebracht. Dieser hat ein kontrolliertes Klima von ungefähr 19 Grad und 40% Luftfeuchtigkeit und einen Klimalogger.

Zum Bestand, inhaltlich:

Das von Herrn Schmidt im Sedel gegründete "Schweinesound Studio" war ein Glücksfall für die Luzerner Musikszene. Im ehemaligen Gefängnis Sedel waren viele frühere Zellen zusammengelegt und zu Übungsräumen umgebaut worden. Herr Schmidt, der Ende 80er Jahre im Sedel Abwart war und daneben sein Studio aufbaute, hatte gute Kontakte zu den Musiker*innen im Sedel und arbeitete günstig. Bands aus der Schweizer Subkultur wie die Monsters mit Reverend Beat-Man, Microkids, Suaheli Massive, aber auch die wilden Freejazzer Alboth aus Bern arbeiteten mit Doktor Schmidt zusammen. Insgesamt sind es ungefähr 40 Stück ¼" Masterbänder (teilweise veröffentlicht, teilweise unica) und 30 Multitrack-Bänder (unica). Da es auch einige Leerbänder im Bestand haben könnte, müssen wir für die genauen Zahlen noch weitere Recherchen machen.
Der Bestand zeigt einen überaus spannenden Querschnitt der unabhängigen Schweizer Musik Ende der 80er-Jahre und passt somit hervorragend zum Bestand des Studios Startrack in Schaffhausen, den wir bereits am Erfassen sind.
Bei der Abholung machte ich mit Davix noch ein erstes 45-minütiges Video-Interview. Davix hat viele Kontextinformationen liefern können, da er die Szene bestens kennt. Er hat auch schon zugesagt, bei der späteren Erfassung mitzuhelfen und weitere Informationen zu liefern.

Zum Bestand, technischer Zustand, erste Expertise:

Der Lagerraum, in dem die Bänder mindestens die letzten Jahre waren, scheint trocken. Die Fassade ist allerdings gegen Süden ausgerichtet, es dürfte also einige Temperaturschwankungen gegeben haben. Der Bestand besteht fast ausschliesslich aus BASF SM911 Bändern, welche gemäss der "Bändertauglichkeitsliste" (Open Source Google Doc) und meinen Erfahrungen mit anderen Beständen praktisch nie das Sticky Shed Syndrome zeigt. 


Die Bänder sind gut gewickelt und soweit ich es stichprobenmässig prüfen konnte auf Ende gelagert. Kein Schimmel, beim Umspulen kaum Abrieb feststellbar.
Die bisher geprüften Aufnahmen sind sauber gepegelt, CCIR und ohne NR gemacht. Sie sind auch recht gut angeschrieben, was die Erfassung einfacher macht.

Steff, 13.01.2026 

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